Wo ich bin und was ich mach :)

Montag, April 06, 2009




Meditation

Schweigen. 10 Tage Schweigen, Meditieren und Fasten sind nicht gerade die Tätigkeiten, die man mit einem 21 jährigen Weltreisenden in Verbindung bringt. 04.00 Uhr morgens aufstehen (nicht ins Bett gehen!), obendrein noch komplette Trennung der Geschlechter einhalten und das alles in entlegener indischer Provinz… hört sich eher nach frustriertem/er WestlerIn in der Midlifecrisis und auf Esoterik-Trip an, als junger Deutscher auf Weltreise. Zumindest galt so mein hartes Urteil vor meinen Erfahrungen in einem der drei Klöster der Vipassana International Academy in Igatpuri, Maharastra, Indien.

Aber so ist das halt, wenn man sich eben erstmal vor die Haustür begeben hat: Es passieren die unglaublichsten Dinge! Das Leben da draußen hat eben seine eigenen Regeln. Manchmal auch gar keine. Wer weiß das schon so genau. Jedenfalls hätte ich es mir nicht träumen lassen können, dass ich mal eine der grundlegendsten buddhistischen Meditationstechniken, die Vipassana (pail fuer Einsicht )Technik, erlernen würde, als ich über die Schwelle der Vogelsbergstraße 9 im Frankfurter Nordend trat. Es kam aber so.
Zusammen mit meinem langjährigen Freund Sven aus Südafrika bereiste ich fast 2 Monate lang Indien und machte unter anderem Station in Nashik, ca. 5 Stunden außerhalb Mumbais, um dort Svens Eltern zu besuchen, die dort seit einiger Zeit ansässig sind. Es waren diese beiden sehr netten und hilfsbereiten Menschen, die uns rieten, das in der Nähe gelegene Welt-Hauptquartier der Vipassana Meditation zu besuchen. ( Nun hört sich „Welthauptquartier“, obendrein noch eins, auf das man aus purem Zufall gestoßen ist, recht verführerisch an, weswegen wir nicht lange zögerten.)


Außerhalb der Kleinstadt Igatpuri, inmitten wunderschöner Gärten und vor der bewegenden Kulisse von sich auftürmenden Bergen, erheben sich die spitzen Hüte dreier Pagoden golden aus dem Grün. Die ältesten Gebäude dieser Tempel/Seminar -Anlage sind allerdings aus den 70ern des 20. Jahrhunderts. Es war nämlich erst 1969, dass erstmals ein buddhistischer Gelehrter aus der extremen Isolation Burmas ausreisen durfte, um die ca. 2500 Jahre alte Technik der Vipassana Meditation auf ein Neues mit der Welt zu teilen. Auf ein Neues? Ja, zwar stammt der Buddhismus aus Indien, starb dort aber ca. 500 Jahre nach Gautamas der Buddha (“Buddha” ist pali für “Erleuchteter”) Tod faktisch aus. Zwar erhielt sich in einigen umliegenden Ländern Buddhas Lehre (Thailand, Kambodscha, Tibet, Nepal usw.), doch nur in der Isolation des burmesischen Dschungels erhielten die Mönche zudem die ursprüngliche Meditationstechnik Buddhas in ihrer reinen Form: Vipassana. Überliefert von Lehrer zu Schüler über die Jahrtausende angeblich unverändert. Burma (nun Myanmar) ist eines der verschlossensten Länder der Welt; selbst heutzutage gibt es auf dem Landweg gerade mal 4 Übergange, an denen die Einreise für Ausländer mit vorher beantragter Genehmigung gestattet ist. Und wir alle wissen nur zu genau aus jüngster Geschichte (anhand des Protestes der Mönche), mit welch harter Hand die burmesische Regierung regiert. Dennoch: 1969 bekam der Mönch S.N. Goenka eine Ausreisegenehmigung um Vipassana zu unterrichten. Einer nicht weiter begründeten Prophezeiung zufolge sei es nämlich 2500 Jahre nach Gautamas der Buddha Tod wieder an der Zeit den Buddhismus friedlich in der Welt zu verbreiten. Seit Goenkas Ausreise aus Burma tat er das auch: 200 Zentren in ganz Indien und 100 weltweit (die Europazentrale liegt in der Sächsischen Schweiz ! ) sind seitdem entstanden. Und ich war also von meiner Haustür aus mit Umweg über Südamerika und Südafrika über die Schwelle des ersten dieser Zentren gestolpert.
In dem Zeitraum, in dem ich noch nichts geplant hatte und alleine in Indien reisen würde, wurde dort ein Kurs angeboten. Sven verabschiedete sich nämlich am 6. Februar von mir und mein Abflug sollte am 22. sein. Der Kurs war vom 10.-21. angesetzt. Ein Zeichen. Aber mit Abstand am überzeugendsten: Der Kurs ist umsonst und basiert auf komplett freiwilliger Spende. Unterkunft, Essen und Unterricht für lau?! Logo. Das musste ausprobiert werden.
Am besagten 10. Februar schrieb ich mich also zusammen mit 336 männlichen und 215 weiblichen Mitschülerinnen ein, gab meinen Besitz bis auf einfache Kleidung und Toilettenartikel ab (striktes Handy, Laptop, Lese- und Schreib- Verbot!), bekam ein Zimmer zugewiesen und begab mich in den männlichen Bereich des Klosters. Die “Noble-Silence”, d.h. dass möglichst komplette Absehen von jeglicher Kommunikation wie Sprache, Gestik usw. mit Ausnahme von wichtigen Fragen an die Lehrer sollte am Abend beginnen. Mit einem etwas lauen Magen und der immer wiederkehrenden Frage: “was wird mit mir passieren”...”werde ich nicht schon nach 3 Tagen Schweigen durchdrehen?!” trat ich raus auf den Hof zwischen Meditationshalle und Pagode. Dort wurde noch fröhlich gequatscht. Außer mir waren nur 5 andere Westler dort: aus Ungarn, Frankreich, USA und Canada. Kaum, dass mich meine indischen Mitschüler erblickt hatten, wurde ich auch schon mit den für Indien typischen Fragen bombardiert (your country? your goodname? Your job? Your Wife? Your Children?), was meine Bedenken gegenüber dem baldigen Schweigen gelinde gesagt relativierte. Es ging hier schließlich nicht nur um mein Schweigen, sondern tatsächlich auch um das Schweigen von 331 Indern in Indien;)
Nach dem wir das erste Mal die vegetarische Kost probiert hatten, aus denen die (nur) zwei Mahlzeiten pro Tag bestanden, wurden wir auf zwei Meditationshallen aufgeteilt, jeder bekam ein Kissen zugeordnet (moi: 222) und die Lehrer spielten nach einer kurzen Einleitung das erste Tonband ab. Tonband? Ja, der gesamte Kurs wird grundsätzlich durch Ton/Video -Aufnahmen in Hindi und Englisch vom besagtem buddhistischen Mönch S.N. Goenka unterrichtet, was die Reinheit der Lehre erhalten soll. Anfangs war das etwas gewöhnungsbedürftig, wurde aber bald durch die charismatisch lockere Art Goenkas wett gemacht.



So gestalteten sich also die nächsten Tage nach dem strikten Stundenplan der Vipassana, der vor allem aus 13,5 Stunden Meditation bestand. Angefangen wurde mit dem einfachen Trainieren, sich länger und länger auf die eigene Atmung zu konzentrieren um somit die Sinne für die kleinsten Empfindungen und Impulse zu sensibilisieren.
Man glaubt es kaum, aber darin sehen die Buddhisten doch tatsächlich den angewandten Weg zur Erleuchtung: Das simple Beobachten und passive Dulden dieses Juckens, Prickelns, Kitzelns, Schmerzens, ja eben all jene kleinen Empfindungen, die eine Reaktion von uns provozieren möchten. Diese nennen sie Sankaras (pali versch. Bed. ~ Teil des geformten Bewustseins ). Man hat den Teufel ja schon in vielem gefunden, sei es im Jazz, den paar Zentimetern, die dem Minirock fehlen, oder Droge XY, aber im Prickeln auf meiner Haut?! (Halt, dachte ich mir, man sollte die Kirche im Dorf lassen. Oder die Pagode eben. )
Sankaras seien die Inkarnation des ewigen Kreislaufs von Verlangen und Vermeiden, der der Sicht der Buddhisten nach für unser ewiges Leid verantwortlich ist, erklärte mir die Tonbandstimme Goenkas. Finden wir nun in der Meditation die Kraft dem Verlangen zu widerstehen, das die Sankaras durch Jucken, Kitzeln oder Schmerz erzeugen, so brechen wir mit dem alltäglichen Spiel von Impuls und unserer sklavenhaften Reaktion darauf. Vipassana lehrt: Das Kribbeln kommt, wir reagieren nicht darauf, es geht und das Sankara ist verpufft, verdampft, verschwunden und unser Geist um ein Millionstel „sauberer“ geworden. Das Gesetz von Anicca (pali fuer Impermanenz) nennen sie das, das Gesetz der Vergänglichkeit.
Im Prinzip ist das des Pudels Kern. Vipassana soll uns helfen durch Erfahren der Vergänglichkeit von Schmerz und von Glück auch im Alltag über solchen kurzfristigen Empfindungen zu stehen und im Einklang zu bleiben.
Wie man vielleicht der Einleitung schon entnahm, hab ich`s mit der Esoterik und Einklangs-Geschwafel nicht so. Daran haben auch zehn Tage Vipassana nichts geändert. Aber selbst als Skeptiker sehe ich, dass da Menschen zusammensitzen, so friedlich sind, dass sie fast gar nichts mehr sagen und (last but not least!!), dass Geld und Erlöser X anzuerkennen keine Rolle spielen. Wer weiß, vielleicht funktioniert das lange Sitzen und Ausharren bei uns auch wie das Konditionieren bei Tieren. Situation A tritt ein (impulshaft Schmerz/Freude) und wir reagieren nicht. Stunden, ja sogar tagelang! Somit wird trainiert beim zukünftigen Eintreten von A gelassen zu reagieren. Vielleicht ist diese Selbstkonditionierung die Antwort, nach der wir so lange suchten. Vielleicht.
Aber hier mache ich Schluss. Alles vergeht, alles verweht, dass wussten wir schon im Westen. Nur erfahren haben wir es eben noch nicht. Zum Glück gibt es ja Vipassana und wer`s glaubt…, na ? ...
Der wird selig ;)

Freitag, Januar 16, 2009



Ein Leben wohl gelebt

"Selbst ein 80 Jaehriges leben zaehlt nicht mehr als 30.000 Tage"

Ich moechte euch eine besondere Person vorstellen. Nicht das es un-besondere Menschen gaebe,
jeder hat seine Wichtigkeit im grossen und ganzen, doch gibt es einige die Dinge tuen, wie sonst sehr wenige. Einer dieser "Einigen" ist mein gross-onkel Oswald(o) Kaufmann.
Geboren 1917, wurde er als 22 jaehriger 1939, als Hamburger Medizinstudent der er war, in den

Kriegsdienst eingezogen.Als Lazarett Arzt in Russland sah er die Schrecken des Krieges wie wenige
andere. Gepreagt durch die grausamen Situationen, dem staendigen Leben-oder-Tod, oft abhaengig nur von seinem Geschick, kehrte er nach Hamburg zurueck. Doch das Leben als Arzt in Europa war nichts mehr fuer ihn, das rum-docktern an Wehwehchen der im-keim Gesunden, bewegten ihn nach Peru zu emigrieren.Nicht verreisen, nicht ein paar Jahre was Anderes machen, nein, EMIGRIEREN. 1950 war das. Angekommen in Lima, wurde sein deutsches Studium nicht anerkannt und er begann gaaanz von vorne, als 33 jaehriger Medizin Student in Lima. Dort fand er allerdings schnell Freunde und auch eine neue Frau nach dem der Vater (!) seiner damaligen Frau (Elena de Gran) diese zurueck nach Holland fliegen lassen und eine Scheidung eingeleitet hatte, weil er ihre Lebensumstaende in Peru als ungeeignet empfand. Das Leben von Oswaldo war voller solcher verrueckten Ereignisse, angeblich schreibt eine seiner vier Toechter gerade ein Buch darueber. Bleiben wir beim wesentlichen: Nachdem er schon waehrend seines Studiums viele Jahre im districto de Usquil als Arzt gearbeitet hatte, gruendete er dort 1959, auserhalb des Dorfes Coina, ein kleines Krankenhaus. Das Hospital Andino del Alto Chicama war ein Segen fuer die Laendliche Bevoelkerung, die damals noch Tage von der naechsten Klinik entfernt war. Noch Heute nehmen manche Patienten einen 6 Stunden(!!) Fussweg auf sich um dorthin zu gelangen. Man kann sich vorstellen wie sich Schlangen von Patienten um die wenigen Gebaeude wickelten und mit welcher Hingabe und Verehrung sich die Geheilten und ihre Verwandetn beim Dr. Gringo (sein Spitzname) bedankten. Dank ihrer Hilfe und der ununterbrochenen Unterstuetzung aus Deutschland wuchs das Hospital ueber die Jahre grossartig. Selbst der Tod Oswaldos, der 1979, immer noch als Arzt in Coina arbeitend, an einem Herzinfarkt starb, aenderte daran nichts.

Zwei der Toechter meines Grossonkels Oswaldo

Bis auf eine vom Terrorismus ueberschattete Zeit waehrend den achtzigern, arbeiteten auch immer wieder Europaeische Aerzte und Hilfskraefte im Hospital und der Förderkreis Hospital Andino, Peru e.V. aus Frankfurt ist tragende Stuetze des Hospitals. Finanziell, materiell und wiegesagt mit Helfern. Als ein eben solcher tuckerte ich ueber abenteuerliche Abgruende 6 Stunden von der naechsten Grossstadt (Trujillo) aus zum Hospital Andino. Dort verbrachte ich dann einen knappen Monat um Tag teaglich mit dem Arzt (Carlos) Patienten zu begutachten, zu helfen Medikamente zu verteilen und gute Stimmung zu verbreiten. Es ist unglaublich wie gluecklich die Meisten dort darueber sind einen Weissen vor sich zu haben, der spanisch spricht und ihnen obendrauf auch noch helfen will. Im Vorfeld hatte ich ziemliche Bedeken gehabt, was ich, der ja keine Ahnung von Medizin hat, in einem Krankenhaus in den entlegenen Peruanischen Anden zu suchen hat. Und jetzt danach, kann ich nicht glauben das ich mir nur diesen einen Monat lang Zeitgenommen habe. Gerade zum Ende hin beschaeftigte ich mich immer mehr mit der Geschichte des Hospitals und richtete mit Hilfe von Krankenschwester Nora und meines gleichaltrigen peruanischen Cousains Jose-Carlos ein kleines Museum ein. Nun isses tief in meinem Herzen, das Hospital Andino, die Krankenschwestern und Bewohner Coinas und mit Sicherheit kann ich sagen das ich zurueckkehren werde.
Kuckt euch die Bilder an 
LG Jawi

Freitag, Dezember 26, 2008


Salar de Uyuni - Mehr Salz als ins Saarland passen wuerde

Bei soviel Salz geht Freund F. Wuerstchen richtig auf! Wie viele Frankfurter man damit Salzen koennte weis ich nicht, sicher ist aber, dass die riesige Salzebene im Sueden Boliviens, der Salar de Uyuni(<-naechst groeste Stadt) es in sich hatt. Eine kleine Aufstellung:

1.Bodensee 586 qkm
2. Berlin 891 qkm
3.Luxembrug 2568 qkm
4. Salar de Uyuni... 12.000 qkm!!!

Die gigantische Mine Chuqicamata mal tausend! M-A-L // T-A-U-S-E-N-D!! Gigantisch war auch unsere Ankunft. Nach 3-Tagen Jeeptour durch die beeidruckent-rauhe Natur Suedboliviens, vorbei an Arsen-Seen, Blut-Roten Lagunen, mini Tornados und aktiven Vulkanen, knirschten unsere Schritte jungfraeulich um 5 Uhr Morgens zur aufgehenden Sonne ueber das grosse weisse Flach. Die Hamburger Studentengruppe und ich verbrachten den ganzen Tag dort und besuchten eine „Insel“ auf der Ebene, ein Hotel ganz aus Salz, und siehe das Foto, nutzten den raum-verzerrenden Effekt des Salars fuer die verwirrensten Photographien!



Amantani - Seelige Insel im Titikakasee

Stellt euch einen riesigen See vor, der mitten in den Bergen liegt. So hoch oben, dass jede Bleichaut beim kleinsten Spaziergang aus der Puste kommt.
Kein Wunder, denn mit ueber 3800m Hoehe laesst der Titikaka See selbst den aller hoechsten Punkt Deutschlands eher laecherlich aussehen: die Zugspitze kommt gerade mal auf laecherliche 2900m!
Nun ist der Titikakasee nicht nur einfach ziemlich “high” sondern auch noch die Wiege einer der groessten und ausergewoehnlichsten Hochkulturen die diese Welt hervorgebracht hat: Die Inkas. Der Legende nach entstieg der erste Inka ‘Pàchacambo’ mit einem Goldenen Stab den Flut des heiligen Sees, dieser Stab wies ihm den Weg ins gesegnete Tal (einige 100km nord-westlich), wo er Qusqo (Cuzco) gruendete, Hauptstadt der Inkas fast fuer die naechsten 500 Jahre. Aber dazu spaeter mehr, meine Reise sollte mich immerhin genau in dieses Tal fuehren.
Zu naechsteinmal aber erkundete ich Puno, die groesste Stadt am Titikaka See, von der unweit die Uros duempeln. Die Uros sind Angehoerige der Aymara Kultur, die sich auf der Flucht, erst vor den Inkas und dann vor den Spaniern auf ihren Schilf-Booten auf den See retteten. Ueber die Zeit realisierten die Uros, dass wenn sie ihre Boote verbanden und mit Schilf bedeckten, sie kleine schwimmende Inseln kreierten auf denen es sich ziemlich gut leben lies. Das Schilf kann man essen (schmeckt wie Banane), der See birgt einige Fischarten und auch die lokalen Enten usw. waren recht schmackhaft. Ueber die Jahrhunderte verfeinerten sie diese Technik so gut, dass heutzutage die Inseln gute 10 Jahre halten, bevor sie in Festlandnaehe erneuert werden muessen. Auserdem lassen sich auf ihnen kleine Aecker anlagen (!!) auf denen sich Qinua, Kartoffeln und Zwibeln anbauen lassen. Ganz zu schweigen von den aber tausenden Bleichhaeuten die sich fast taeglich ueber die Inseln ergiesen und fuer “Foto-Foto” mit harten Soles bezahlen. Der Tourismus hat die Inseln fest in seiner Hand und “Alle meine Entchen” oder “twinkle twinkle little star” gesungen von den Kindern der Einheimischen lockert einfach jeden touri-Geldbeutel. Irgendwie so endet die Geschichte der Uros. Die Eroberer haben sie eingeholt, nicht mit Speeren oder Gewehren, sondern mit Kodaks und Dollars.


Ich selbst zog eine der echten Titikakasee Inseln vor: Amantani.
Vom Tourismums weitgehend unberuehrt, sucht man dort vergeblich nach Hotels oder Restaurants. In diesem friedlichen Iydll, wo die einzige Aufregung das all-sontaegliche Fussball tournier zwischen den 6 Doerfern ist, fand ich bei den Mamati's unterkunft. Dort verbrachte ich eine sehr erfahrungsreiche Woche ohne Strom, ohne Badezimmer und ohne Englisch.


Der Regenwald - Ewig rasender Kreislauf des Lebens





--------- Die wilden Westler ----------




Camino Inka - 4 Tage Schwitzen Und Staunen





Macchu Pichu - Der Junge Berg im Hintergund formt ein Gesicht

Mittwoch, Dezember 24, 2008


Die Brodelnden Geysire Tatios - Norden Chiles

Eines der am hoechsten und groessten Geysier-Feldern der Welt, auf ueber 4200m hoehe gelegen blubberts da ordentlich, das Wasser kocht immerhin schon mit 75 C (oder so ;) )!
Diese urgewaltige Einoede bewundert man am besten Morgens wenn die Sonne auf geht und die riesigen weisen Wasserdampf Saeulen kurz im gleisenden Licht aufleuchten befor sie unter der Hitze der Sonne langsam dahinschrumpfen.
Wow! Zum Glueck nahm ich zwei plastik Frankfurter Wuerstchen mit auf den Weg, denn einer der beiden gab sich seiner fatalistischen Liebe fuer kochendes Wasser hin und wurde von mir dort ruhen gelassen.
Erwaehnenswerter Minuspunkt der Besichtigung ist allerdings, dass man schon 4.00 Morgens aus San Pedro losfaehrt... Uff! Das gabs nichtma zur Schulzeit!




Sand Boardn - Ordentlich Wachsen und ab geht das

Schon so oft habe ich bei meiner Ankunft an einem neuen Ort erstmal mit offenem Mund da gestanden und die Welt nicht recht nachvollziehen koennen. Aber in San Pedor? Das ging garnicht! Es gibt ja komische Leute und bekanntlich verkaufen die bisweilen sogar Kuehlschraenke an Eskimos, aber Snow Boards in der Wueste?
Nee, Jawi... das wird dir nieeeemand glauben. Aber hey: Wer nicht Fragt bleibt dumm... Sorry, but what on earth are you doing with a Snowboard man?
It’s a Sandboard, stupid!
Gibts fuer 5 Oekken den Tag, ordentlich Wachs drunter, einfach ne halbe Kerze oder so, Schuhe ausziehen und ab geht das! Richtig Cool war auch das ich beim Sandboarden eine riesen Gruppe Hamburger Studenten kennengelernt habe. Nicht nur das war Zufall, sondern auch, dass wir zufaellig genau die selbe 3-Taegige Jeeptour nach Bolivien gebucht hatten!! Danach sollten wir sogar noch weiter zusammen reisen, insgesammt mehrere Wochen. Wenn ich dann im April anfange habe ich also schon ordentlich Anlaufpunkte.Aber zurueck zum Sandboarden:
In der Cordella Blanca in Peru gibt es angeblich schon Lifte und richtige Pisten dafuer! Die Meisterschaften sind zwar noch klein, aber immerhin.

Yeah Baby: its Klimawandel!




Chuqicamata - Wo der Mensch klein wird

Wenn ihr drauf kommt was ihr da seht, respekt! Es nicht etwa der Eingang eines Panzers, Gebaeudes oder sonstiges... Denkt einfach an das Groesste was ihr euch vorstellen koennt und multipliziert es mit 100: Tadaaa : Chuquicamata, die groesste Tagebaumine der Welt. Das Groeste Abbaufeld der ingesammt 3 (!!) misst die Kleinigkeit von 3km Breite, 4km Weite und fast 1km tiefe! In diesem komplett (!!!!!) Menschenhand geschaffenem wenig bekanntem Abgrund haette die doch so viel bekanntere Cheops Pyramide einfach fast 4 EIN HALB mal Platz!
...haetten sie gerne ein paar Pyramiden in ihrer Mine, oder bevorzugen sie ohne?...
Angesichts dieser epischen Groesse erscheint der Auspuff des Grossmuldenkippers den ihr da oben seht (erraten?) eher laecherlich. Sowiso: die 590 Tonnen, die das Ding wiegt, die piefigen 14m laenge, 7m hoehe und 8m breite; alles nichtig und ameisenhaftig in diesen Dimensionen. Naja. Ausser eben wenn diese 3650 PS Monster mit ihren 4m Reifen mit bis zu 60km an einem vorbeirauschen... Schattenseite sind wohl die 170 liter Diesel verbrauch... pro Stunde.

Noch nie und Nirgendwo auf der Welt habe ich die Naturgewalt Mensch in so einem krassen Exzess erlebt. Noch nie in so einer visuellen Eindeutigkeit, Epik und Haerte.
Uebertrieeeeben!


*Jawi staunt*

Achso: auch nicht zu vergessen ist die Soziale&Historische Dimension. Es Arbeiten dort heute fast 20.000 Menschen, was bedeutet das diese eine Mine rund 100.000 ernaehrt. Seid der Verstaatlichung 1971 und dem Beginn von minums Sicherheits-Auflagen, vorallem durch den Handelspartner Europa (so kanns eben auch gehn), haben sich die Sicherheitsbedingungen fuer die Arbeiter drastisch verbessert. Das war nicht immer so; abertausende Menschen haben in der bald 100 jaehrigen Geschichte der Mine ihr Leben gelassen. Entweder erschlagen durch staendige Steinschlaege oder langsam und sicher an den giftigen Gasen der gigantischen Kupfer-Extrahierungs-Fabriken zu Grunde gegangen. Ohne Rechte mussten sie fuers blanke Ueberleben schufteten. 1952, war es vorallem ein Reisender an dem diese Verhaeltnisse nicht spurlos vorbeigingen, und bei dem Chuquicamata intensive Eindruecke einer ganz anderen Art als bei mir hinterlies. Mehr oder weniger 56 Jahre vor mir, der ich gemuetlich mit dem Bus um den Minen-Schlund kutschiert wurde, stampfte ein anderer reisender Juengling durch dieses Monstrum. Seine Reise hatte wie meine in den schoenen, praechtigen Teilen Buenos Aires begonnen, zwischen Parks, Altbauten und beschaulichem Wohlstandsleben, und hatte ihn nun in diese Sozialen Abgruende der Ausbeutung gefuehrt: Ernesto „Che“ Guevara.
In seinem Buch Latìno Americana (The Motorcycle Diaries) beschreibt er seine tiefen Eindruecke sehr ergreifend. Ich kann es sehr empfehlen.

Donnerstag, Dezember 18, 2008


Valparaiso – Das Paradies der Strasse

Nur eine Stunde außerhalb Santiagos, malerisch zwischen 8 “Cerros” (oder so), leichten Hügeln, und dem Pazifik liegt Valparaiso. Am wohl bezeichnendsten für diese alte, reiche und arme Hafenstadt ist, dass die gesamte Innenstadt zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde. Es gibt zwar keine dolle U-Bahn oder biltze-blanke Strassen oder golden-glänzende Einkaufstempel wie in Santiago, dafür aber um so mehr Stil, Lebensenergie und Wände, Wände die von Farbe und dem Drang sich auszudrücken nur so triefen.
Oh-mein-Banksy, aber was für ein Ausdruck! Ich konnte mich teilweise überhaupt nicht mehr losreißen und wurde erst wieder durch wild hupende Autofahrer in die Realität der Straße zurückgeholt. Die Street-Art Werke sind teilweise so elaboriert, dass sie Mosaic-Elemente aus Spiegel-Scherben, oder Flaschen und ähnliches integrieren. Eines der beeindruckendsten “Pieces” war wohl das sitzende Portrait eines Obdachlosen, der auf einer ebenfalls gesprayten Treppe im halbdunkel einer Nische saß, welcher eine echte Treppe vorausging. Allerdings war die gesprayte Treppe so perfekt an die echte angeschlossen, und der Schatten im Bild so exakt an den Schattenwurf der die Szene überragenden Straßenlaterne angeglichen, dass man wahrhaftig dort im Dunkel einen Menschen vermutete.
Vor allem aber kam meine Liebe fuer Stencils (Schablonen-Gesprühtes) auf ihre kosten. “All Stencil are bad”, “This is f** Art”, und viele politisch motivierte
Stencils schmückten die Wände. Zwar nicht ganz auf dem Lake-Street-Niveau Londons, aber dafür eben in Valparaiso und nicht im abgefuckten antihumanen Geldtempel London.

Unterkunft fand ich bei den liebenswerten Kirschfinks, der Familie eines Freundes meines Cousins Konni. Ich hatte sie schon vor einem Jahr mehrmals angerufen, als ich versuchte wie ein Besessener eine Zivi-Stelle (!!) in Valparaiso zu finden. Das war ja leider nix geworden, und ich hatte mir geschworen Valparaiso eben auf meiner Weltreise zu besuchen und es den Kirschfinks versprochen. Die hatten mir nämlich sehr nett bei allem geholfen und mir mit ihrer unglaublichen Südamerika- Erfahrung geholfen. Seid 25 Jahren leben sie nun schon in Urugay, Guatemala, Bolivien ü-ber-all eben, entweder als Deutschlehrer oder Musikinsturmente- Produzenten.
Das Jahr London war vergangen und nun stand ich also in der Türe des schönen Holzhauses der Familie, welches hoch oben auf dem Hügel, wunder-wunderschön die gesamte Bucht überblickt, und wurde herzlichst von der ältesten Schwester, Jana, empfangen. Mama&Papa Kirschfink würden erst in 2 Tagen wieder kommen, die waren gerade auf Reise.
Schon am ersten Abend nahmen mich die beiden Töchter und noch eine Freundin mit in die Innenstadt, wo sie geduldig und mit einem leichten Schmunzeln meine Fotoexzesse abwarteten. Es war aber auch einfach zu schön! Irgendwie hatte ich es schon immer geahnt gehabt, schon immer war mir irgendwie klar, dass Valparaiso, gelinde-gesagt, übertrieben schön sein würde. Aber als ob die Straßenkunst nicht genug wäre, fand ich mich mit den Dreien in einem DER Restaurants, “Valpa´s”, wieder. Beste Sitze auf dem gesamten Balkon, mit sicherlich dem besten Ausblick, den ich je von einem Restaurant hatte.
Da saß ich also, noch mit verkrampftem Ab-drueck Finger, welchen ich früher noch Zeigefinger nannte, und vor mir ausgebreitet, die glitzernden Lichter Valparaisos. Die Lampen auf den Schiffen, das Blitzen der Oberleitungen der Trolley -Busse (wie die Straßenbahn bei uns!) und die markanten Ascensor -Aufzüge, die die Innenstadt mit den Hügeln verbinden. Ich war wahrlich am ersten wirklich wichtigen Ziel meiner Reise angekommen, Valparaiso. Und wiiiiie, wiiiie schön bot sich mir diese Stadt dar. Sie fütterte nicht nur meine Augen, nein, das Restaurant, das Brighton, gehörte auch noch der Familie der Freundin! Das Schicksal lädt ein! In der Woche drauf sollte dort die große Geburtstags- Party der besagten Freundin stattfinden, und wir sollten schon mal das Menü, vor allem die Coctails aussuchen. HA! LOL ROFL MAO! Ich habe ja in mein popeligen zwanzig Jahren ja schon einiges erlebt, aber das, nein! Nur auf die Gefahr hin rausgeworfen zu werden, konnte ich mich besinnen und habe es unterlassen Freudensprünge, Purzelbäume und sonstiges der gleichen zu vollführen. Innerlich tanzte in mir ein Zirkus Remmi Demmi, vor allem nach dem Mojito, Longisland ice tea und einer verdächtig blauen Substanz.. Als Beilage gab es Rumpsteak. Es sollte das letzte seiner Art in den kommenden Monaten werden.

So empfing mich Valparaiso und so verabschiedete sich das reiche Südamerika Argentiniens und Chiles von mir. Umsonst, aber sicherlich nicht vergeblich. Auf dem Rückweg sah ich die Kunstwerke der Strasse gleich doppelt. Was will man mehr!



Grüsse ans vorweihnachtiliche, endlich in die Ferien entflohene Deutschland
Euer

Juan
(Habe ich mir seit dem Oktoberfest angewöhnt, vereinfacht die Vorstellung ungemein)

Montag, Dezember 15, 2008



Santiago de Chile


Fast 50% der gesammten 16 mio. Bevoelkerung Chiles leben unter der Dunstglocke Santiagos.
Ringsherum sind Berge, die den Smog schoen da behalten wo er herkommt, gibt aber wunderbare
Sonnenuntergaenge so´n Smog.Aber auch sonst erinnert die Stadt an Amerikanische oder Europaeische
Metropolen, mit sehr modernen U-Bahnen und nagelneuen Bussen. Der Grad der Privatisierung ist in Chile seid der Diktatur Pinochets unglaublich hoch (Wasser,Strom,Strassen,Bildung,Transport aller Art) wovon ein Teil der Menschen in Santiago unglaublich profitiert, den dort lohnt sich das Geschaeft fuer die Privaten und die Versorgung steht der Westlichen in fast nichts nach. Ehrlich, so eine Stadt wie Santiago habe ich ausserhalb Europas noch nie erlebt. Man bekommt durch Santiago den Eindruck, Chile laege gleich westlich von Portugal. Allerdings sollte ich in den darauffolgenden Wochen sehen, dass das eben fast ausschliesslich auf Santiago zutrifft. Zumal mir eine so eine recht klinische modernitaet nicht gefaellt. Ausserdem sah ich Santiago (verzerrt) durch die Augen einer recht Wohlhabenden Familie, den Crespos, die mich fuer 4 Tage wie ihren Sohn aufnahmen.

Na, wie hat Jawi das jetzt schon wieder angestellt? 4 Tage bei einer wildfremden Familie wie Soehnchen aufgenommen zu werden.

Die Antwort heisst Couchsurfing.com !
Zum ersten mal hatte ich diese NON-Profit, Austausch Webiste fuer Reisende ausprobiert. Im Prinziep funktioniert das Ganze so, dass man sich anmeldet, seine Persoenlichen Detaills ueber einige Sicherheitsverfahren (Brief an die Angegebene Adresse, Kreditkartendetaills) verifizieren lassen kann und dann festlegt ob man eine Unterkunft(Sofa) anbietet oder nicht. Wie weit man verifiziert und damit „sicher“ ist, ist fuer alle sichtbar. Nun ist man Mitglied und los gehts mit der Sofa-Suche. Zumbeispiel in Santiago, wo es weit mehr als 100 Couchsurf.com Mitglieder gibt, die einen Schlafplatz anbieten.
Deren Profil und Kommentare von vorherigen Gaesten kann man dann durchlesen und unverbindliche Anfragen rausschicken. Insgesammt habe ich in Santiago 10 Leute angeschreiben darunter Studenten,ein Ehepaar, ein Kuenstler und ein Journalist. Allesamt begeistert vom Reisen, Sprachen und anderen Kulturen. Diese haben meine Nachricht ¨Deutscher auf Weltreise mit Frankfurter Wuerstchen im Hand-Gepaeck sucht Unterkunft¨ gelesen und zwei Studenten haben tatsaechlich positiv geantwortet.
Mit Christian Crespo (25 J.), der noch bei seinen Eltern in dem Bezirk Las Condes wohnt, habe ich ich dann Nummern ausgetauscht und einen Treffpunkt organisiert.
So bin ich also bei den Crespos untergekommen, alles im unentgeldlichen(!) Namen des Kulturellen Austauschs. Wir haben zusammen gegessen, ueber unsere Laender geredet, ich habe Fotos aus Frankfurt gezeigt und Christian hat mich durch Santiago gefuehrt.

Allerdings war das Treffen an sich ein bischen schwierig. Meine Schuld. Durch mein kleines Anden-Abenteuer, aus dem mich ja zum Glueck die argentinischen Jugendlichen gerettet hatten, war ich erst viel spaeter in Saniago angekommen und hatte Christian nicht zur vereinbarten Zeit kontaktiert. Nun gut, das holte ich also nach und vereinbarte mit Christian, ihn in der Bar Piojera zu treffen, wo er sich mittlerweile befand. 16 (!!) U-Bahnstationen und einige Rumfragerei spaeter (das mit dem Spanischen klappt mittlerweile wirklich gut) trudelte ich also mit all meinem Hab und Gut in diese ziiiemlich proppe volle Bar ein. Schon passend so ein Backpacker-Rucksack zwischen T-Shirts und Ausgeh-Kleidern, immerhin hatte ich genuegend passende Assecoir-Plastiktueten um meinen Style abzurunden. Haha, aber schlussendlich war es eben diese verraeterische Erscheinung, die die halbe Menschenmasse vor Ort in froehlich groelende Willkommens-Gruesse ausbrechen lies und mir einen erleichterten Christian entgegenspuckte. Was dieser mir naemlich verschweigen hatte war, dass an diesem Abend in der Piojera grosses Couch-Surf Treffen Santiago angesagt war! Alles also Reisebegeisterte, oder Mochilleros (esp. fuer Backpacker) aus Amerika, Frankreich ja sogar Deutschland in Aktion!

Rucksack 150€, Plasticktuete 20 Cent, auf ner Party damit den richtig style treffen: wahrlich unbezahlbar. Mittendrin und mit dabei mein Kumpel F. Wuerstchen. Die Couchsurfer konnten sich vor Lachen kaum halten.
Viele lustige Fotos anderer Kameras, meine hatte mal wieder den perfekten moment abgewartet um mit leeren batterien aufzuwarten, entstanden waehrend ich die lokale
Speziallitaet Teremoto genoss. Der Name “Erdbeben” fuer dieses Getreank kommt nicht von ungefaehr, nur hilft hier kein Seismologe (obowhl der in der Piojera bestimmt orgdentlich ausgeschlagen waere) oder Erdbebensichere Koerperhaltung. Ein grosses Stueck Ananaseis mit Sahne (ver-)schwimmt in einem 1l Becher billigsten Weissweines. Der schmeckt dank Kuehle und Zucker dann recht gut, ruettelt den Kopf ordentlich durch und am naechsten Morgen wacht man mitten in seinem persoenlichen Kobe auf. In Japan moegen damals tausende Menschen gestorben sein, aber in Santiago sind es millionen… Nervenzellen.
Nur gut, dass wir auf dem Heimweg eine Reifenpanne hatten und ordentlich Schweiss und Flueche ablassen konnten waehrend wir besagten Ungluecksreifen wechselten.

Ein Bild fuer die Goetter: Zwei Betrunkene wechseln das erste mal in ihrem Leben einen Autoreifen. Einen Autoreifen an dem der Smog Santiagos seine liebevoll-anhaengliche pechschwarze Note hinterlassen hat, und der diese ueberschwaenglich mit seinen stuemperhaften Werksmeistern teilt. Um sie nur die menschenverlassene Innenstadt Santiagos, die genug blitze-blanke, glaentzende Oberflaechen bietet um dieses Schauspiel gebuehrend zu reflektieren. Zum Glueck war genug Zeit dies auch ausgiebig zu bewundern. Der Schraubschlussel war in unseren, Ziel-Wasser angereicherten, Haenden so viel wert wie das Maschienengewehr dem Armlosen und die Schrauben am Reifen waren ungefaehr so fest wie… keine Ahnung… uebertreiben fest halt.Der dritte Mann im Bunde, der designierte Fahrer, begnuegte sich damit begnuegt zu sein und die Verantwortung zu tragen.
Dennoch: Der Dreck an Hand, Hemd, Hose und Gesicht (wie kam er dort bitteschoen hin?) glaenzte golden in unseren Augen, als der Wagen schlussendlich wieder losfuhr.

Woooo-HA, ich habe Feuer gemacht! Oder Autoreifen gewechselt… Same thing.

Eua
Jawi

Samstag, November 08, 2008





Zu Fuss am Fusse des Aconcagua


Was zur Hoelle macht dieser Mensch da?....war der verwunderte Ausdruck der mir aus vielen der vorbeifahrenden Gesichter entgegenschlug. Warum sitzt da einer, mitten in den Anden, Kilometer vom letzten bewohnten Ort in Argentinien, Puente de Inka, entfernt?

Um ihn herum nur Berge und hinter ihm der Berg der Berge der Anden: der Aconcagua, der mit fast 7000 m Hoehe alles andere, und besonders diesen kleinen, schwer beladenen Zwerg, der da am Ende der Kurve sitzt, ueberragt. Die Aufmerksameren der Vorbeifahrenden haben vielleicht noch das Schild “Santiago” gesehen welches er vor sich hielt und spaeter mehr oder weniger verzweifelt um den Zusatz ¡80 Pesos! erweiterte. Ein Anhalter also…

Aber wie kam er da hin? Mitten in diese Einoede von Stein, Staub und Eis?
Der weisse Riese Aconcagua wird ihn wohl kaum ausgespuckt haben, diesen fest in seinen schwarzen Kaputzenpullover eingepackten Zwerg.

Meine neugefundene amerikanische Freundin Heather und ich hatten uns Donnerstag (16.10) Abend verabschiedet. Sie hatte eine 23 Stunden Busfahrt gen Sued Osten vor sich und ich wollte am naechsten Morgen nach Westen, ueber die Anden.

Eigentlich war es gar kein Abschied, denn ich habe ihr das wunderbare deutsche Wort “Aufwiedersehn” mit auf die Reise geben koennen.

Es ist sehr schade, dass so viele Fotos aus den Tagen in Mendoza verloren gegangen sind, aber umso mehr Bilder habe ich mir im Gedaechtnis bewahrt.

Am naechsten Morgen war nicht mehr viel Zeit zum Truebsal-Blasen uebrig: Ich hatte wie immer der ersten suessen Versuchung des Tages nachgegeben und Dank des Hauch eines Drueckens der Snooze Taste meines Weckers eine halbe Stunde laenger geschlafen.

Den Bus in die Mitte der Anden nach Puente del Inka bekam ich dennoch problemlos und auch am Fusse des Aconcaguas verlief das Chillen/Foto machen wie geplant. Froehlich machte ich mich auf der stillgelegten Schienentrasse, die der Strasse gen Chile folgte, auf den Weg nach Horcones, der Grenz-Station, an der man, laut South-American Handbook, einfach durch feilschen mit den Busfahrern nach Saniago de Chile gelangen sollte. Die Sonne schien hell und der Berg der Berge Amerikas thronte Zuversicht ausstrahlend ueber mir.

In Horcones zeigten die Schilder, nur leider alle in die falsche Richtung. Der gesamte Verkehr ging in Richtung Argentinien! Doch wie immer siegte meine das-klappt-schon Einstellung und aus meinem Gespraech mit einem Wachmann hoerte ich nur heraus, die Station nach Chile sei ein Stueck weiter 2 km oder so. Jedenfalls irgend etwas mit 2, vielleicht ja nur 200 m!

Also ging es froehlich weiter. Unter der sich langsam aber sicher absinkenden Sonne, es muss um 6 Uhr oder so gewesen sein, immer durch die Eis, Staub und Steinwueste am Fusse des fast 7000 m Berges. Ich schrieb sogar meinen Eltern noch eine schnelle SMS, wie gut es mir doch gehe - obwohl mittlerweile klar war, dass es mehr als 200 m werden wuerden. Doch mit jeder meine Erwartungen enttaeuschenden Kurve, die alle “gleich, gleich bist du da und kannst den schweren Rucksack ablegen” verhiessen, wuchsen mein Zweifel. Relativ kurz nachdem die Halter meiner Buechertuete (ja so etwas schleppte ich auch noch mit mir rum) gerissen waren, siegte mein Realismus und ich blieb dort sitzen wo ich stand. Hm. Scheisse wars.

In einer Stunde ist die Sonne weg, ich bin das erste Mal in meinem Leben auf ueber 3000 m und weit und breit keine Busstation. Zonk. Der Wind pfiff kalt, haemisch aus der naechsten Kurve und um mich zu schuetzen, hatte ich mich - in zwei Hosen und Pullover gepackt - hinter meinen Rucksack gekauert. Soooo war das aber alles nicht geplant… oh man, wer ist aber auch so bloed und geht auf dem hoechsten Stueck der Anden nur so ein Risiko ein? Und was faellt meinem scheiss Reisefuehrer nur ein so eine Kack Kacke zu schwafeln? Fluch, fluch, fluch, quengel, quengel, quengel.

Durch den Rucksack und meine leicht extreme Stimmung erwachte der Optimist in mir aufs neue. Gestaerkt durch einen meiner daenischen Salz-Lakritz (Danke, Alex!) und eine Pastille meiner grossen Schwester Julia, die ich fuer solche Faelle bereit hielt, entschloss ich mich es einfach per Anhalter zu versuchen. Umkehren wollte ich nicht, zumal ich in Santiago eine Verabredung fuer den Abend hatte!

Ein Auto fuhr vorbei, zwei LKWs fuhren vorbei, alle fuhren vorbei und dann fuhr gar nix mehr vorbei…….Aber der Ausblick ist doch toll, kuck mal, den Stein hast du ja noch gar nicht ausgiebig bewundert…

Zum Glueck nahm mich, nach einer halben Stunde Warten (in hoch-Anden-Panik-Zeitrechnung mindestens 2 Stunden), ein Pickup mit 3 Jugendlichen aus Mendoza drinnen, mit. Die konnten gar nicht recht glauben was ich ihnen erzaehlte… womit wir wieder beim Anfang dieser kleinen Geschichte gelandet waeren.

Die Fahrt war super, die drei wollten auf eine Party in Santiago, es gab also Musik, heissen Mate (!!!!) und Fernet satt! Zu allem ueberfluss hiessen die beiden homosexuellen Jungs Seba und Fran, genau wie meine (Ole’s) besten Freunde in La Plata. Einer ist Anwalt, der andere Winzer und Berni, das Maedchen war grosser Berlin-Fan.

Einen irgendwie besseren Abschied haette mir Argentinien nie, nie, niemals bereiten koennen! Ein wirklich tolles Land mit einzigartigen, aufgeweckten und mir grund-sympatischen Menschen.


Aber es giebt da ja noch aaaandere ganz sympatische Menschen, gaaanz weit weg, in der Heimat Deutschland :)!
(Zeitsprung zu Heute, das da oben ist schon Wochen her)
Vielleicht werden Einige von euch Monatg mal kurz an mich denken, es ist ja mein
21ter Geburtstag. Den werde ich in MANU NATURE RESERVE im Regenwald verbringen, dort bietet meine Sprachschule einen einwoechigen Kurs an.

Ich werde sicherlich an euch denken, ich vermisse euch!
euer
Jawi